Fragen ist besser als raten

Sie bekommen eine kleine Nachricht… mit einem Wort, das Sie stutzen lässt. „Weiterhin“? Hmm… Sie überlegen sich: Wieso wünscht dieser nette Kontakt mir „weiterhin“ viel Erfolg? Möchte er sich etwa dezent verabschieden? Lief da etwas schief und ich habe es bisher nicht bemerkt? Na ja, vielleicht ist aber auch alles gut und ich bin gerade einfach nur empfindlich. Ich mache am besten einfach weiter….

Zwei Stunden später.

Irgendwie geht Ihnen der Satz einfach nicht aus dem Kopf. Vielleicht ist ja doch etwas nicht in Ordnung und der kleine Luftzug – die kurze Irritation – ist eigentlich ein starker Signal-Wind.

Wie wäre es einfach mit Fragen?

Letztlich können Sie nicht wissen, was andere Leute denken. Auch wenn Sie diese normalerweise gut kennen oder schon lange mit ihnen zusammenarbeiten und die ein oder andere „Marotte“ schon für Sie zum Business-Alltag gehört. Und Sie manchmal einfach zu wissen glauben, was mit dem anderen los ist. Aber wissen Sie das wirklich? Auch in dieser Situation?

Gerade im Business-Leben fällt es nicht immer leicht, offen zu fragen, was gerade los ist. Denn: Wer fragt, gibt seine Unsicherheit preis. Und ja: je nach Business-Umfeld und Gesprächspartner kann das vielleicht für Sie zum Nachteil werden.
Dennoch möchte ich Sie dazu ermutigen, in so einer Situation auf den entsprechenden Absender zuzugehen. Haken Sie freundlich, offen und sachlich nach, was die andere Person gemeint hat. Weder als Angriff, Vorwurf oder wütende Anklage, sondern als interessierte Frage. Schließlich möchten Sie einfach nur zügig klären, was sich hinter der Formulierung verbirgt.

Was kann Sie erwarten?

Im unangenehmsten Fall wiegelt derjenige ab, antwortet ablehnend, lässt Sie „im Regen stehen“ oder verhält sich auf andere Weise so, dass Sie keine Auflösung erhalten, was denn nun los ist. Sie wissen nun, dass dieser Mensch für eine offene, kooperative Kommunikation mit Ihnen aktuell nicht bereit ist. Warum auch immer. Das ist natürlich nicht das, was Sie sich gewünscht haben.
Dennoch haben Sie zwei Dinge erhalten: Einen Einblick, in wieweit dieser Mensch Ihnen kommunikativ entgegen kommt und an einer klaren Arbeitsatmosphäre interessiert ist. Sie können gegebenenfalls nun Ihr weiteres Verhalten neu ausrichten und sich überlegen, wie Sie weiter mit der Person umgehen. Zum zweiten haben Sie Ihren Teil dazu beigetragen, dass Sie eine Antwort auf Ihre innerliche Frage erhalten. Sie haben die Initiative ergriffen und sind verantwortlich mit Ihren Emotionen umgegangen. Sie haben erneut die Führung für Ihr Leben übernommen.

Leichter leben mit innerer Klarheit

Was kann noch passieren, wenn Sie einen Moment mutig sind und die Initiative ergreifen? Sie erfahren, dass der andere in der Tat vor hat, den Kontakt diplomatisch zu beenden. Das ist auch nicht wirklich angenehm, aber Sie können nun feststellen, wie Sie selbst dazu stehen. Wollen Sie womöglich auch den Kontakt an diesem Punkt abbrechen und der andere hat Ihnen sogar einen Gefallen getan? Dann ist im Moment ein freundlicher und wohlwollender Abschied für beide möglich – erneute freundliche Aufnahme des Kontaktes nicht ausgeschlossen.
Im besten und sogar wahrscheinlichen Fall (Ich bin einfach eine Optimistin) handelt es sich einfach um ein Missverständnis: Die andere Person war in Eile, in Gedanken nicht ganz bei der Sache, müde oder verwendet bestimmte Ausdrücke einfach anders, als Sie selbst diese einsetzen würden. Oder die Formulierung wurde humorvoll, ironisch oder auf andere Weise salopp gemeint und ist bei Ihnen – weil weitere Erklärung fehlte – anders angekommen, als gedacht. Vielleicht haben Sie eine neue Facette an dem anderen Menschen entdeckt. In dieser Situation haben Sie auch die Chance, den Kontakt auf einer neuen, offeneren Ebene weiter zu führen. Vielleicht arbeiten Sie jetzt sogar entspannter und leichter als vorher zusammen. Und Sie fühlen sich souveräner, wenn es irgendwann in Ihrem Leben noch einmal zu einer ähnlichen Situation kommt.

Gehen Sie es einfach an – um Ihrer selbst willen

Es gibt noch einen guten Grund, warum Sie sich um die Situation kümmern sollten: Je mehr offene innere Fragen Sie haben, desto größerem Stress setzen Sie sich selbst aus. Und je klarer Ihnen die allgemeinen Rahmenbedingungen und die Haltungen Ihrer Mitmenschen Ihnen gegenüber sind, desto leichter wird Ihr Leben. Nicht unbedingt, weil diese genauso sind, wie Sie sich das wünschen. Sondern weil Sie Ihre kostbare Lebenszeit nicht mit unnötigem Grübeln verbringen müssen. Auch wenn Sie sich nicht bewusst mit derlei „Kleinigkeiten“ befassen – auf einer unterschwelligen Ebene können viele solche ungeklärten Momente in Ihrem Leben mit der Zeit zu innerer Unruhe und Unsicherheit führen. Einfach wie eine klemmende Schreibtischschublade, bei der beim nötigen Ruck jedes Mal die ein oder andere Büroklammer herausfliegt. Das mag an sich unbedeutend sein, nervt aber jedes Mal, wenn die Schublade benutzt oder einfach nur angeschaut wird. Eben so lange, bis sie in Ordnung gebracht ist.
Wenn Sie also Ihren Korrespondenzpartner auf den „merkwürdigen“ Satz ansprechen, haben Sie die Chance, solche Irritationen zügig zu klären und sich so wieder entspannt Ihren eigentlichen Zielen zu widmen. Und vielleicht haben Sie dann eine noch bessere Verbindung zu anderen Menschen als je zuvor.
Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg – und wunderbar leicht laufende Schubladen.

2017-03-13T16:33:17+00:00 2 Comments

2 Comments

  1. Katja Niedermeier 27. August 2015 at 9:16 - Reply

    Das ist echt hochinteressant! Danke für diesen Blogbeitrag. Bei mir ist es nämlich so, dass ich, wenn ich selbst „weiterhin viel Erfolg“ schreibe, dieser Person a) bisherigen Erfolg zutraue und davon ausgehe, dass die Person tatsächlich auch erfolgreich IST und b) dieser Person Gutes wünsche und vor allem: Ich möchte definitiv (!) im Kontakt bleiben. Im Leben würde ich nicht auf die Idee kommen, dass dieser Wunsch in den falschen Hals gelangen und zu Irritationen führen könnte. Also nochmal: DANKE für diese neue Sichtweise! xxx K

    • Petra von Schenck 27. August 2015 at 9:59 - Reply

      Liebe Katja,
      ich habe zu Danken für Deinen wunderbaren Kommentar! Gerade weil Du einen anderen, wohlwollenden Blick und eine positive Intention bei diesen drei Worten hast, ist er besonders wertvoll – veranschaulicht er einfach so gut, dass manchmal gar nichts „Böses“ hinter einer Wortwahl steckt, sondern sich einfach nur zwei unterschiedliche Gedanken-Wege treffen. Und dies kann man nur heraus finden, wenn man offen fragt und nicht einfach von dem eigenen Blickwinkel ausgeht.
      Merci vielmal, dass Du Deine aufbauenden und stärkenden Gedanken hier geteilt hast, liebe Katja!
      Herzlichst,
      Petra

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