Mit Trends kommunizieren

Was haben Trends mit dem eigenen Business zu tun? – Eine ganze Menge! Denn ohne den Blick für neue Entwicklungen sieht das eigene Business irgendwann „alt“ aus! Falls Sie also „immer schon einmal“ wissen wollten, wie Trends entdeckt werden und warum das für Sie spannend sein kann, dann lesen Sie den folgenden Gastbeitrag von Livia Baum, Farb- und Trendagentur zukunftStil: Sie erfahren von ihr, wie Trends die Werte unserer Zeit aufgreifen und wie Sie dies für Ihre Marke und Ihre Corporate Identity nutzen können. (Foto: Farb- und Trendagentur zukunftStil | Livia Baum & Jutta Werner)

Mit Trends kommunizieren 

Inspiration, Impulse und neue Wege gehen – Um auf frische Ideen und Lösungen zu kommen, ist es wichtig, unseren Blickwinkel zu öffnen. Beobachten lässt sich dies in vielen Bereichen unseres Lebens.

Schon beim Kochen entsteht eine persönliche Note und Kreativität, indem eine Rezeptzutat bewusst durch etwas anderes ausgetauscht wird und eine Eigenkreation entsteht. Die bekannten Wege ab und an zu verlassen hilft uns dabei, flexibel zu bleiben, Neues zu entdecken, innovativ zu denken und inspirierend für uns aber auch für andere zu sein.

Im Design ist diese Erkenntnis besonders wertvoll, da gerade hier immer frische Lösungen für unterschiedlichste Disziplinen entwickelt werden müssen. Die Marke dahinter sollte dennoch erkennbar bleiben und sich mit dem Design identifizieren können. 

Trends sind Inspirationsquellen für neue Kollektionen und Kommunikationsstrategien 

Trends haben für viele Unternehmen eine wegweisende Bedeutung. Aktuelle Entwicklungen zu beobachten ist für verschiedene Branchen wichtig, um am Puls der Zeit zu sein und ihre Kunden zu erreichen.

Im Design werden Kollektionen für den Menschen mit eigenen Werten und wandelnden Lebensrhythmen gestaltet. Gesellschaftliche Entwicklungen zu identifizieren und diese mit gestalterischen Tendenzen zu verbinden, hilft das Design mit dem Menschen zu verknüpfen. Der Kunde empfindet auf bewusste, rationale oder unbewusste, emotionale Weise eine Verbindung zu dem Produkt, da es seinem aktuellen Zeitgeist und Wertevorstellungen entspricht.

Trends übersetzen die Sprache der Menschen und spielen damit für die Kundenansprache eine wichtige Rolle, indem sie beispielsweise in Trendwelten oder Trendbooklets für die Zielgruppe erlebbar und spürbar gemacht werden.

Hinter jedem Trend steckt eine individuelle Welt mit eigener Story, Wertegemeinschaft oder spezifischen Farben, Materialien und Raumatmosphären bis hin zu charakteristischen, grafischen Ausprägungen. Die Chance für Unternehmen ist hierbei, innerhalb der übergeordneten Trends eine Nische zu finden und sich damit von anderen Herstellern oder Dienstleistern zu differenzieren. 

Trends sind Entwicklungen aller Bereiche unseres Lebens.
Wie erkennen wir aber diese Entwicklungen?

„Scouting“ bedeutet Sammeln, Suchen und hat viel mit einem methodischen, analytischen Beobachten von Entwicklungen zu tun.

v.l.n.r.: Jutta Werner und Livia Baum vergleichen die Wirkung verschiedener Farbdesigns
Fotografin: Katharina Bartneck 

Als Farbdesigner und Trendforscher sind wir immer auf der Suche nach Neuigkeiten, frischen Gedankenansätzen oder überraschenden Kombinationen von Farben, Mustern oder Formen.

Blickführung, Sehschulung und das visuelle Gedächtnis müssen dafür geschult werden, um neue Impulse bewusst zu verfolgen und um deren Einflüsse auf die Gestaltung zu erkennen.

Das Trendscouting ist als Kreativ- und Analysemethode unser Arbeitselixier für die Kreation von innovativen Designentwicklungen. Es besteht aus drei aufeinander aufbauenden und vernetzten Phasen – dem Sammeln, Clustern und der Stildefinition.

Im Prozess des Sammelns ist ein offener Blick bei Besuchen von Fachmessen, Ausstellung, Onlineplattformen und Vorträgen entscheidend. Ebenso muss das „Neue“ mit dem „Alten“ verknüpft werden – das heißt wir müssen wissen was vorher war, um Neues überhaupt erkennen zu können. In diesem Prozess werden 2x pro Jahr bis zu 5.000 Bilddaten und Informationen zusammengetragen.

In der Cluster-Phase werden die Bilddaten verdichtet und es entstehen Gruppierung und Rubriken, die eine Verbindung erkennen lassen. Dies können gestalterische Phänomene, wie immer wiederkehrende Farben und Farbkombinationen oder einheitliche Formen sein, die z. B. übergreifend im Mobiliar oder im Grafikdesign zu finden sind (Aktuell spannend: „Rund ist das neue Eckig“). Auch gesellschaftliche Verbindungen, wie das immer größere Bewusstsein für Natur und Nachhaltigkeit, bilden eine inhaltliche Klammer um die Trendwelt.

In der anschließenden Stildefinition wird anhand von Codierungen die Bedeutung des Trends verdichtet, beschrieben und visualisiert. 

 Fotocredits: Livia Baum und Jutta Werner zukunftStil GbR, Agentur für Farbdesign und Trendforschung
Inspirierendes Moodboard zum Thema Natur und Nachhaltigkeit
Fotocredits: Livia Baum und Jutta Werner zukunftStil GbR, Agentur für Farbdesign und Trendforschung

Wenn plötzlich etwas „in“ ist

Trends haben einen Ursprung, werden von verschiedenen Bereichen adaptiert und erleben damit einen Hype, der sich über unterschiedliche Medien immer stärker ausprägt – aus einem Anzeichen wird nach und nach ein Massenphänomen.

Besonders spannend ist es, wenn etwas lange Bestehendes nach einer gewissen Zeit plötzlich eine neue Bedeutung bekommt bzw. von der Gesellschaft anders wahrgenommen wird.

Dieses Phänomen kann aktuell beispielsweise sehr gut in der Schuhbranche festgestellt werden. Lange Zeit wurde hier der Schuh als Ganzes betrachtet, die Sohle wurde jedoch bei der Gestaltung fast vernachlässigt. Nun wird hier seit einiger Zeit das Potenzial erkannt. Einige Unternehmen definieren sogar Ihre Marke über den Abdruck oder die Farbe der Sohle und hinterlassen so einen „Corporate – Fußabdruck“ in der Welt.

Eine andere Beobachtung sind Farbverläufe, die ihren Beginn in der Grafik hatten und dabei gern für innovative und futuristische Darstellungen im Coverdesign benutzt wurden. Nach dem Grafikdesign wanderte dieses Farbphänomen in die Mode und zeigte ihren Höhepunkt in der Innenraumgestaltung auf Tapeten, Tischen oder Lampen. Auch das Licht an sich wurde nach und nach mit einer sphärischen Verlaufs-Ästhetik „infiziert“.

Adaptionen aus anderen Bereichen sind also bedeutende Entwicklungen. Unternehmen können sich aus vielen Richtungen Inspirationen holen, um dies für Ihre Markenkommunikation bewusst zu nutzen. 

Trends, Farbe und Corporate Design

Bild: Sedus Stoll AG/ Foto: Sebastian Bullinger
Die Sprache eines Unternehmens als Erlebniswelt: Die gesamte Farbgestaltung von Sedus auf der ORGATEC 2018 ist stark an aktuellen Trends in den Bereichen Design, Arbeit, Gesellschaft und Farbe orientiert. Die Marke wird durch die neue Gestaltung frisch, jung und fortschrittlich wahrgenommen, lässt aber das Markenbild mit seinen Werten Innovation, Technik und Ästhetik erkennen.

Farben sind im Design eines der wichtigsten Stilelemente, da sie Emotion, Funktion und Zeitgeist vermitteln. Sie sind meist der erste Eindruck, ob etwas als angenehm oder unangenehm empfunden wird. 

Farben sind unter anderem auch im Corporate Design ein Ausdruck einer Persönlichkeit. Jedes Unternehmen benötigt eine Gestaltungssprache, über die die eigenen Unternehmenswerte perfekt widergespiegelt werden. Diese sollte sich an aktuellen Trends orientieren, jedoch die Marke mit ihren CI-Werten verknüpfen.

Eine Marke kann sich z.B. über ihren Web- oder Messeauftritt bis hin zur Logogestaltung mit einer bewussten Farbgebung frisch und zeitgemäß präsentieren.

Im Gegensatz dazu stehen diverse traditionelle Familienunternehmen für Beständigkeit und möchten ihre Herkunft präsentieren.

Aktuell spielt die Geschichte hinter einem Produkt oder einem Unternehmen eine große Rolle. Die Menschen möchten sich mit der Firma identifizieren, wissen wo das Produkt herkommt und am besten den Designer oder Hersteller hinter dem Design „persönlich“ kennenlernen. Authentizität und Ehrlichkeit sind wichtige Werte unserer Zeit, die sich zum Teil in der Gestaltung mit Naturelementen zeigen und in beruhigenden, natürlichen Farben wie beispielsweise Terra, Eucalyptus oder Nude darstellen. 

Beispiel: Farbcodes für die Gestaltung eines Naturlooks
Fotocredits: Livia Baum und Jutta Werner zukunftStil GbR, Agentur für Farbdesign und Trendforschung

Dagegen möchten gerade zahlreiche kommunikative, junge Unternehmen Werte, wie Spaß, Kreativität und Flexibilität vermittelt. Ein starker, unangepasster Charakter kann zum Beispiel durch Stilmixe entstehen. Pure Grafiken können mit floralen, tropischen Stilelementen unterbrochen werden oder flächige, plakative und intensive Farben transportieren ein selbstbewusstes Markenbild. 

Jede Branche besitzt individuelle Entwicklungen und jede Marke definiert sich durch die eigenen Werte – Die Kombination der beiden Faktoren geben jedem Unternehmen seine eigene Trend-ID. Entdecken Sie nun die Trends für ihr Unternehmen! 

Zusammenfassung 

+ Trends zeigen Werte unserer Zeit, die auf die Gestaltung Einfluss haben 

+ Marken können sich dies zu Eigen machen und Unternehmenswerte trendgerecht über Ihr CI und Ihren Farbcode darstellen 

+ Es entsteht eine individuelle „Trend-ID“ 

Die Gastautorin: Livia Baum

Livia Baum ist Farbdesignerin und gründete gemeinsam mit Jutta Werner die Farb- und Trendagentur zukunftStil.
Sie beschäftigen sich mit der Erstellung von Kollektionen sowie Farb- und Designkonzepten für Unternehmen aus den Bereichen Interieur, Produkt, Farbe, Material und Muster.
Zudem erstellen sie Trend- und Farbbücher und lehren an verschiedenen Hochschulen zu den Themen Farbe, Material und Stil.

Mehr über Livia Baum und Jutta Werner

Zur Website der Farb- und Trendagentur

Cornelia Saalfrank auf der biennale di venezia, Fotograf Philippe Jacq
Livia Baum
Fotografin: Frauke Witzler, Verve Photography
2018-12-11T18:13:23+00:00

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