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Wir lesen täglich eine Unzahl an Texten – sei es eine SMS des Liebsten, Zeitungsnachrichten, E-Mails im Büro, eine Reklame an einer Haltestelle, Angaben auf Lebensmittel-Verpackungen oder die kleine Notiz, die wir uns auf einen Zettel geschrieben haben, um die Milch nicht zu vergessen.

Auch wenn wir uns nicht an jeden Text und jedes Wort erinnern können: Die tägliche Sprachflut wirkt auf uns. Dies gilt nicht nur für die Aussagen selbst, die wir mit ihrer Hilfe kommunizieren. Die einzelnen Worte selbst haben ebenso eine Wirkung.

Dass dies nicht nur eine subjektive Ansicht ist, belegt eine Untersuchung von Psychologen der Universität Jena. Sie fanden heraus, dass Wörter wie beispielsweise “zermürbend” oder “quälend” das Schmerzzentrum im Gehirn so aktivieren, wie es bei Nadelstichen der Fall ist. Ein guter Grund, diese weniger zu verwenden…

Wie bedeutsam eine bewußte Sprachwahl ist, vermittelt ebenso das Sprach- und Kommunikationskonzept Lingva Eterna, das die Sprachwissenschaftlerin Mechthild von Scheurl-Defersdorf und der Arzt und Neurowissenschaftler Theodor von Stockert entwickelt haben.

Worte unter der Lupe

Es lohnt sich also wirklich, die Worte, die wir täglich nutzen, genauer anzusehen und auszuwählen. Eine Möglichkeit: Sie überlegen sich, welche Wirkung Sie sich erhoffen oder erzielen möchten. Wie wäre es beispielsweise mit “ruhig” (“Wir können das ruhig durchsprechen.”) oder “leicht” (“Das lässt sich leicht realisieren.”)?

Ebenso können Sie Ihren Mitmenschen aufmerksamer zuhören und so herausfinden, welche Worte einen besonderen Widerhall auslösen. Womöglich ist Ihr Kollege oder Ihr Kunde empfänglicher für Ihre Botschaft, wenn Sie etwaige “Wort-Empfindlichkeiten” von ihnen in Ihrer nächsten Kommunikation berücksichtigen.

Sie können auch beim Lesen eines Textes genauer auf die einzelnen Worte achten:

  • Welche Worte empfinden Sie als angenehm?
  • Welche lösen bei Ihnen unangenehme Gefühle aus?
  • Welche wirken neutral auf Sie?

Gerade wenn Sie bei sich eine merkliche Veränderung Ihrer Stimmung feststellen, lohnt es sich, auch einmal die Worte selbst und nicht nur die Aussage des Textes anzuschauen. Vielleicht versteckt sich ja ein “persönliches Reizwort”, das Sie stärker als eigentlich nötig auf den Text reagieren lässt. Oder Sie entdecken einen “persönlichen Liebling”, der Sie in gute Stimmung bringt, weil Sie mit diesem Wort eine besonders angenehme Erinnerung verbinden. Dies kann durchaus ein ganz unspektakuläres und unscheinbares Wort sein.

Auch einzelne Worte haben eine Wirkung auf uns – es lohnt sich daher, klug zu wählen!

Hören Sie sich auch selbst zu?

Ein anderer Ansatz, der sich für Sie lohnt: Achten Sie verstärkt auf die persönlichen Selbstgespräche, die Sie im Laufe des Tages mit sich führen. Schließlich beeinflussen diese nicht nur Ihre eigene Stimmung, sondern indirekt auch unsere Wortwahl nach Außen. Eine “strenge” innere Kommunikation kann sich beispielsweise auf unseren Dialog im Büro oder mit den Kindern auswirken, wenn es nicht gelingt, schnell in unserer Wortwahl umzuschalten. Ich habe beispielsweise für mich festgestellt, dass eine wohlwollende, aufbauende und geduldige innere Kommunikation dazu beiträgt, dass ich bei einer ähnlichen Situation im Außen ebenso freundlich reagieren kann. Somit profitiere sowohl ich selbst als auch andere von einer guten Grund-Stimmung.

Sie haben Lust auf weitere Tipps? Dann holen Sie sich gerne die zum Thema gehörende Folge “Emotionale Sprache wirkt!” der “PR-Werkstatt”.

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Welche persönlichen “Lieblingsworte” haben Sie? Teilen Sie sie gerne als Kommentar.

Ich freue mich auf Ihren Beitrag!

Ihre

Petra von Schenck