Herausforderung Home Office – warum es nicht egal ist wie Ihr Büro aussieht

Home Offices sind „in“. Doch wie sieht eigentlich ein gut gestaltetes Home Office aus? Wie arbeitet es sich darin besonders gut und effektiv? – Möbel und Interieur Designerin Jeanette Neidhart-Rosenberger über Einrichtung und Arbeiten im heimischen Büro. (Visualisierung: Jeanette Neidhardt-Rosenberger Interior Design)

RAUMPSYCHOLOGIE – HOME OFFICE

Ich gehe nie in Hausschuhen ins Büro – Herausforderung Home Office

Es hört sich verlockend an, seine Zeit frei einzuteilen und wenn es ideal läuft auch ortsunabhängig zu arbeiten. Nicht an fixe Arbeitszeiten gebunden zu sein. Morgens kein Berufsverkehr oder keine überfüllten öffentlichen Verkehrsmittel, bis man endlich am Arbeitsplatz ankommt. Morgens keine Frage, was ziehe ich heute ins Büro an und was nehme ich mir zum Essen mit.

Gerade bei Frauen immer beliebter um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen: Von Zuhause aus arbeiten und gleichzeitig für die Familie da sein zu können. Kurz die Kinder vom Kindergarten abholen und nebenher die Wäsche waschen….

Immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern an, sogenannte „Home-Office-Tage“ nehmen zu können. In Zeiten der Digitalisierung und dem Arbeiten mit dem Computer ist man nicht mehr an das feste Büro gebunden und kann eigentlich von überall aus arbeiten. 

Die neue Computer-Technik macht es möglich: Immer mehr finden den Gedanken von Zuhause aus zu arbeiten als ideal für sich. Hier ist es egal, ob man jetzt tageweise im Home Office für sein Unternehmen arbeitet oder gleich den Sprung in die Selbstständigkeit wagt und sich sein eigenes (Online-)Unternehmen aufbaut.

Aber auch dieses Arbeitsmodell hat so seine Tücken und benötigt doch eine klare Struktur und eine andere Arbeitseinstellung, ein anderes Arbeitsbewusstsein und den passenden Arbeitsplatz.

1. Das Bewusstsein – auch von Zuhause aus zu arbeiten ist Arbeit!

Im Vorfeld muss man sich klar werden: Nur weil ich jetzt von Zuhause aus arbeite, ist meine Arbeit genau soviel wert und wichtig, wie wenn ich ins Büro fahre. Der Satz „Du bist ja eh Zuhause, Du kannst dann doch noch vieles nebenher machen…“ ist sehr gefährlich! Zuhause bin ich mein eigener Chef.

2. Mein Home-Office-Platz – Die Gestaltung

Ein Platz an dem ich mich nicht wohlfühle, an den ich mich nicht gerne setzte, eignet sich nicht zum konzentrierten Arbeiten. Somit sollte der Platz nicht „irgendwo“ untergebracht sein, sondern in der Gestaltung wohl durchdacht werden. Meine Arbeit ist wichtig. Somit muss dem Platz auch die notwendige Aufmerksamkeit in der Gestaltung geschenkt werden. Denn mein Platz darf ausdrücken, dass meine Arbeit wichtig ist und somit auch den nötigen Raum einnehmen. Eine Kollegin von mir spricht hier auch von Wertschätzung die ich durch die Gestaltung meines Arbeitsplatzes/Büros mir und meiner Arbeit entgegenbringe, was ich sehr treffend formuliert finde. Denn ich soll mich dort gerne aufhalten, um dort konzentriert und erfolgreich arbeiten zu können. 

In der Gestaltung gibt es auch viele Möglichkeiten wie der Platz mich unterstützen kann, um dort erfolgreich zu arbeiten.

Man darf gerne sich gerne auch auf folgendes Gedankenspiel einlassen: Wie fühlt es sich an, wenn man in einer kleinen dunklen Abstellkammer, vollgestellt mit allen möglichen „Weiss-nicht-wohins“, arbeiten soll? Und wie ist es im Vergleich dazu, in einem lichtdurchfluteten Büro mit aufgeräumtem Schreibtisch und Blick auf etwas Schönes zu arbeiten? Wo fühlt es sich erfolgreicher an? Wo wollen wir eher Kunden empfangen? Wo strahlen wir Professionalität aus und fühlen uns selbstbewusst?

Das ist der Grund, weshalb es so wichtig ist, sich sein Umfeld so zu gestalten, dass es einen unterstützt in der täglichen Arbeit und Arbeitseinstellung. Denn der Arbeitsplatz repräsentiert unser Unternehmen nach außen. Und wer jetzt sagt, dass ihn seine Kunden ja gar nicht sehen, da seine Arbeit nur vom Computer und Telefon aus geführt wird, der irrt. Denn wir kommunizieren auch ganz anders, wenn unsere Räume passend und erfolgreich gestaltet sind – wir fühlen uns einfach viel selbstbewusster!

Man spricht hier von Corporate Interior Design, was nicht nur bei großen Unternehmen durch Innenarchitekten geplant und umgesetzt wird. Dieses Bewusstsein darf bereits am eigenen Arbeitsplatz im eigenen Unternehmen sichtbar werden in der Raumgestaltung. 

Zuerst formen wir unsere Räume (Gebäude),
dann formen sie uns.
(abgewandeltes Zitat von Winston Churchill)

Denn das Umfeld in dem wir arbeiten beeinflusst uns, mehr als wir denken.

Corporate Design Farbe im Einsatz

Alles da zum Arbeiten, jedoch...... mit Farbe wirkt das Büro gleich lebendiger!

Hier meine Tipps für einen erfolgreichen Arbeitsplatz:

  • Der Schreibtisch sollte so stehen, dass ich mit Blick zur Türe und in den Raum sitze. Man spricht hier von einem starken Platz an dem ich mich erfolgreich fühle und auch erfolgreich arbeiten kann. Mein Platz sollte möglichst nicht mit Blick auf die Wand stehen und auch nicht mit dem Rücken zur Türe. Hier darf man sich gerne die klassischen Chefzimmer vorstellen und dies für sich umsetzen.
  • Hinter mir sollte eine feste Wand sein, hier kann gerne ein Sideboard/Highboard/Schrank stehen – die Größe und der Inhalt darf mich jedoch nicht „erschlagen“ sondern mir den Rücken stärken.
  • Idealerweise habe ich mich so organisiert, dass ich alles Notwendige griffbereit habe und auch das Ablagesystem gut organisiert ist. Denn nichts verhindert den Arbeitsbeginn mehr, als wenn man erstmal Platz schaffen muss.
  • Im Blick habe ich etwas, was mich jeden Tag an meine Ziele erinnert, etwas Positives, das mich motiviert.  (Damit ich weiß, warum ich hier sitze.)
  • Und wenn es (noch) kein eigenes Arbeitszimmer ist, dann sollte der Arbeitsbereich doch so gestaltet sein, dass klar ersichtlich ist, hier wird gearbeitet. Denn gerade die Trennung von Arbeit und Privatbereich ist im Home Office oft fließend und hier sollte eine sichtbare Trennung vorhanden sein, damit man auch mal von der Arbeit abschalten kann und nicht immer das Gefühl hat, man wohnt im Büro.
  • Durch die klare Abgrenzung ist dann auch den anderen Familienmitgliedern klar: Wer hier sitzt arbeitet und sollte (möglichst) nicht gestört werden.
  • Im Büro sorgt der Chef dafür, dass die Arbeitsplätze gut gestaltet sind, damit die Mitarbeiter konzentriert und gut arbeiten können – zuhause ist man selbst dafür verantwortlich! Und das reicht vom passenden ergonomischen Bürostuhl, über den nötigen Platz, das richtige Arbeitslicht bis zur professionellen Technik und der Raumgestaltung.
  • Ebenso soll auch das eigene Unternehmen in meiner Raumgestaltung sichtbar sein. Das fängt bei der Farbe der Ordner an und hört bei der Wandfarbe passend zum Corporate Design noch lange nicht auf, sondern erstreckt sich über Webseite, Visitenkarten, Logo bis zum Briefpapier. Denn so identifiziere ich mich noch mehr mit meinem Unternehmen und das darf in den gestalterischen Bereichen gut sichtbar sein und auch nach außen dargestellt werden. Denn dies strahlt Professionalität aus. 

Mehr Frische bitte…

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3. Wie organisiere ich meinen Arbeitstag

Morgens um acht Uhr an den Arbeitsplatz und um zwölf Uhr zur Mittagspause, so kann man es machen. Aber dann bitte nicht zwischendrin die Spülmaschine ausräumen (das würde man im Büro auch nicht machen). Wichtig ist: Ich brauche eine Struktur in meinem Arbeitstag – aber diese kann ich mir selbst geben. 

Auch wenn es verlockend ist, in der Zeiteinteilung frei zu sein: Auch im Home Office sind feste Arbeitszeiten wichtig. Natürlich können diese auch mal auf den Tag verteilt in unterschiedliche Arbeitsblöcke gegliedert werden. Für die eigene Organisation zum konzentrierten Arbeiten ist es jedoch wichtig, sich feste Zeiten einzuplanen. Und noch besser ist es, wenn natürlich auch die Familie diese festen Arbeitszeiten kennt, respektiert und weiß, in diesen Zeiten ist man nur im Notfall ansprechbar. Nur dann kann man konzentriert arbeiten und hat danach wieder frei und Zeit für anderes. 

Hier meine Tipps für einen organisierten Arbeitstag:

  • Eine gewisse Morgenroutine ist wichtig und ein bewusster Start in den Arbeitsalltag. Das kann bei jedem unterschiedlich sein – die einen starten ganz früh morgens, die anderen um neun Uhr und haben vorher schon privates erledigt.
    Wichtig ist das Bewusstsein: Jetzt wird gearbeitet.
  • Ja, und auch wie man gekleidet ist, beeinflusst unser Arbeiten, wie professionell wir uns fühlen. Das muss nicht Anzug und Kostüm sein, sondern so, wie wir in unserem Business Kunden empfangen würden.
  • Und dann sind selbstverständlich notwendige Pausen wichtig. Auch wenn es vielleicht gerade gut läuft: Eine bewusste Mittagspause, etwas zu Essen und vielleicht kurz an die frische Luft – das bringt einen gut durch den Arbeitstag.
  • Ein weites Thema ist dann natürlich auch die Organisation der Arbeit am Tag: Wie gehe ich mit meinem E-Mail-Postfach um? Mit Terminen? Welche Arbeiten mache ich wann? Wie schaffe ich es, konzentriert an Themen und Aufgaben dranzubleiben?… Hierzu gibt es viele Techniken, die man sich aneignen kann.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Wenn ich von Zuhause aus arbeite, brauche ich einen gut gestalteten Arbeitsplatz und muss mich in meinem Tagesablauf entsprechend organisieren. 

Gerade dieses „immer arbeiten können“ ist gefährlich. Man ist selbst in der Verantwortung sein Umfeld und seinen Tag zu organisieren und sich auch die Freiheit herauszunehmen, mal nicht erreichbar zu sein. Und gerade diese selbstverantwortliche Freiheit ist sehr anspruchsvoll.

Ich selbst habe im Angestelltenverhältnis gearbeitet und nachdem man ausgestempelt hatte, war man im Freizeitmodus. Ich hatte meinen Arbeitsplatz in der Wohnung, hier hatte man sozusagen im Büro gewohnt. Später war unser Büro räumlich getrennt und man musste bewusst ins Büro fahren, vorher alles erledigt haben und sich dann auf die Arbeit konzentrieren. Inzwischen haben wir ein abgeschossenes Büro im Haus, bei dem man bewusst auch mal die Türe schließen kann. 

Alles hat seine Vor- und Nachteile, steht und fällt jedoch mit dem eigenen Bewusstsein, seiner eigenen Arbeitseinstellung und Organisation und der Raumgestaltung. 

P.S.: Ich gehe z. B. nie in Hausschuhen ins Büro zum Arbeiten. 

Die Gastautorin: Jeanette Neidhardt-Rosenberger

Jeanette Neidhardt-Rosenberger, seit 25 Jahren selbstständige und unabhängige Möbel- und Interior Designerin, Feng Shui Beraterin, Bloggerin und immer auf der Suche nach schönen Dingen und berührenden Räumen – Sie führt zusammen mit Ihrem Mann, Michael Rosenberger, das Büro Rosenberger + Neidhardt, Architektur und Interior Design in Stuttgart.

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Jeanette Neidhardt-Rosenberger (Fotograf: Nicola Lazi)
Jeanette Neidhardt-Rosenberger
Fotograf: Nicola Lazi
2018-11-12T19:55:43+00:00

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